Die Frau des Botschafters

Monatstipp Dezember 2013

Stefan Moster: Die Frau des Botschafters

Verlag: Mare
rezensiert von Christian Oelemann

Ein großes Bücherjahr geht allmählich zu Ende und lieferte uns kurz vor Weihnachten noch ein Meisterwerk, das Literatenherzen höher schlagen lässt. Schon einmal, 2010 nämlich, wurde ein Stefan-Moster-Roman Dezembertipp; Die Unmöglichkeit des vierhändigen Spiels schlug bislang alle Tipp-Rekorde von buchkultur.de, und in der Tat war ich lange Zeit fest davon überzeugt, dass auf lange Sicht kein Romancier dem Erschaffer dieser brillanten Mutter/Sohn-Geschichte würde das Wasser reichen können. Es gibt jedoch einen, der es kann: Stefan Moster selbst nämlich. Sein neuer Roman Die Frau des Botschafters knüpft zwar nicht inhaltlich, wohl aber qualitativ an seinen ebenfalls bei Mare erschienenen Erstling an, ja, ist ihm ebenbürtig.
Diesmal lässt Moster seine Geschichte von einem Bibliothekar in Helsinki erzählen, der alle in die Handlung involvierten Personen kennt, sie gut beobachtet, und gekonnt seine Schlüsse zieht. Auch er ist Deutscher, wie der Botschafter und seine Frau Oda, die zu Beginn des Romans ihren ersten Angelversuch erfolglos abbricht. Fischer Klaus Koskinen, der das gesehen hat, wirft ihr daraufhin einen Fisch auf den Bootssteg. Oda nimmt das Geschenk an. Klaus versorgt sie immer wieder mit einem Fang, und um sich erkenntlich zu zeigen, lädt sie ihn zu einem offiziellen Empfang ein. Er wiederum revanchiert sich mit einer Bootstour, bei der er ihr die Gegend erklärt. Klaus Koskinen wohnt in einem einfachen Holzhaus und führt ein zufriedenes Leben. Zwischen Oda und ihm entwickelt sich echte Freundschaft, nicht etwa eine Affäre.
Ein Schatten liegt auf Odas Seele. 2000 km entfernt, in Deutschland, lebt ihr Sohn in einem Heim; ihn zu Hause zu pflegen, lässt seine Schwerstbehinderung nicht zu, zumal Oda mit ihrem Mann in der finnischen Botschaft in Helsinki wohnt. Bei einem Besuch erfährt sie, dass Felix höchstwahrscheinlich sein Augenlicht verlieren wird. Bevor das tatsächlich geschieht, will sie ihm unbedingt noch etwas zeigen: das einzigartige nordische Licht über der zugefrorenen Küste Helsinkis. Es gibt nur einen Menschen, der sie bei der abenteuerlichen Entführung unterstützt: Koskinen.
Oda hat ihren eigenen Beruf aufgegeben, um an der Seite ihres Mannes zu sein. Während sich dessen Karriere weiterentwickelt, tritt sie innerlich auf der Stelle. Zwar erfüllt sie die Pflichten, die sich für die Frau des Botschafters ergeben, doch immer mehr wird sie von Langeweile erfüllt.
Da kommt der Versuch, Felix ans Licht zu führen, genau richtig.
Stefan Moster stimmt seine Leser nachdenklich, weil er ein Philosoph besonderer Güte ist. In Die Frau des Botschafters geht es um immens wichtige Lebenswerte: um Persönlichkeitsentfaltung, um die Bedeutung von Freundschaft und Liebe. Große Literatur eben!

Zum dritten Male werden wir Stefan Moster in der Bücherstube zu Gast haben. Bitte merken Sie sich Samstag, den 22.2.2014, schon vor.

"Bestsellerlisten interessieren uns an dieser Stelle nicht. Was Sie hier finden, sind Bücher, die wir lieben".

"Anne Tyler gehört zum Besten, was wir an Erzählern gegenwärtig haben." (Jonathan Franzen)

"Ich behaupte: Das ist das neue Meisterwerk einer der besten Schriftstellerinnen deutscher Sprache überhaupt!" (Christian Oelemann über Lena Gorelik)

"Einmal mehr beweist der britische Schriftsteller, dass er zu den ganz Großen seiner Zunft gehört – zu den wirklich Souveränen." (Christian Oelemann über Ian McEwan's KINDESWOHL)
"Wolf Schneider war und ist nie mittelmäßig sondern stets erstklassig. Genau wie sein Buch!" (Christian Oelemann zu HOTTENTOTTENSTOTTERTROTTEL)
"Nicht nur die Architektur dieses Romans ist perfekt; Anne von Canals Sprache ist es auch: punktgenau und unmissverständlich." (Christian Oelemann über Anne von Canals DER GRUND)

«Der Roman ist herrlich. Ein Roman über das Glück. So witzig und ehrlich. Ich habe ihn so gerne gelesen.»
(Gerwig Epkes, SWR2, Literatur über Patrick Tschans «Eine Reise später»)"

Christian Oelemann