Ein gutes Herz

Monatstipp Oktober 2013

de Winter, Leon: Ein gutes Herz

Verlag: Diogenes
rezensiert von Christian Oelemann


Leon de Winter zählt bereits seit Jahrzehnten zu den europäischen Schriftstellern, die weltweit Anerkennung finden; Kaplan oder auch Supertex gehören zu den ganz großen Romanen der Gegenwartsliteratur.
1954 als Sohn jüdischer Eltern geboren, lebt er heute mit seiner Frau, der ebenfalls renommierten Schriftstellerin Jessica Durlacher, als Autor und Filmemacher wahlweise in den USA oder den Niederlanden. Aber er taucht auch als Romanfigur auf, und zwar als Leon de Winter im neuen Buch des Schriftstellers Leon de Winter: Ein gutes Herz. was für ein großer Wurf!
Erzählt wird darin aus verschiedenen Perspektiven; Ein Teil der Handlung spielt sogar, ähnlich einem Meisterwerk seines Kollegen und Landsmannes Harry Mulisch (Die Entdeckung des Himmels) unter Engeln.

Romanfigur De Winter ist eben von seiner Frau Jessica Durlacher verlassen worden. Und sieht mit Unbehagen dem Erscheinen von Jessicas neuem Roman entgegen, in dem er gewiss nicht eben gut wegkommt. (Im wirklichen Leben sind Leon und Jessica noch immer ein Paar!)
De Winter arbeitet an einem Buch über den ermordeten Filmemacher Theo van Gogh, der mittlerweile als Engel im Himmel seine Pflicht zu tun hat.
„Er zog etwas hervor, was er die ganze Zeit hinter seinem Rücken versteckt hatte. Wunderschöne weiße Flügel im weißesten Weiß, das Theo je gesehen hatte, transparent wie Glas, zart wie der feinste Samt. Und sie hefteten sich an seine Schulterblätter, und er erhob sich und fühlte sich so frei, wie er sich nie zuvor gefühlt hatte.“
Szenenwechsel: Amsterdam befindet sich im Ausnahmezustand, weil es einen Terroranschlag junger radikalisierter Muslime gegeben hat, gefolgt von einer Flugzeugentführung und einer Geiselnahme in einer Schule.
Kurz zuvor ist in Amerika ein Franziskanerpater einem Hirntumor erlegen. Sein „gutes“ Herz wird ausgerechnet Max Kohn implantiert, der gerade auf dem Weg nach Amsterdam ist. Kohn, ist (war?) ein Gangster, ein Drogenhändler, darüber hinaus ehemaliger Liebhaber von Leon de Winters Freundin Sonja. Der verstorbene Pater liebte Sonja, und Sonja liebte Kohn, von dem sie ein Kind hat. Große Frage: macht ein neues Herz aus Max Kohn einen besseren Menschen?

Wie de Winter die Szenen aufeinander Folgen lässt, wie quasi vom Himmel aus durch Van Gogh (der im richtigen Leben von einem fundamentalistischen Islamiten ermordet wurde) Einfluss auf die Geschehnisse in diesem schrägen, bisweilen auch unerhört witzigen Roman nimmt, das ist einfach fabelhaft. Zu erwähnen ist in diesem Zusammenhang unbedingt ein hitziges Wortgefecht zwischen De Winter und dem rechtspopulistischen Politiker Geert Wilders – einer der Höhepunkte dieses Buches.

Ein gutes Herz ist ein vor Ideen geradezu überbordendes Meisterstück, schlichtweg wunderbar!

Aber wie sagte Leon de Winter vor Jahren einmal selbst: Wer nicht an Wunder glaubt, ist kein Realist!“

"Bestsellerlisten interessieren uns an dieser Stelle nicht. Was Sie hier finden, sind Bücher, die wir lieben".

"Anne Tyler gehört zum Besten, was wir an Erzählern gegenwärtig haben." (Jonathan Franzen)

"Ich behaupte: Das ist das neue Meisterwerk einer der besten Schriftstellerinnen deutscher Sprache überhaupt!" (Christian Oelemann über Lena Gorelik)

"Einmal mehr beweist der britische Schriftsteller, dass er zu den ganz Großen seiner Zunft gehört – zu den wirklich Souveränen." (Christian Oelemann über Ian McEwan's KINDESWOHL)
"Wolf Schneider war und ist nie mittelmäßig sondern stets erstklassig. Genau wie sein Buch!" (Christian Oelemann zu HOTTENTOTTENSTOTTERTROTTEL)
"Nicht nur die Architektur dieses Romans ist perfekt; Anne von Canals Sprache ist es auch: punktgenau und unmissverständlich." (Christian Oelemann über Anne von Canals DER GRUND)

«Der Roman ist herrlich. Ein Roman über das Glück. So witzig und ehrlich. Ich habe ihn so gerne gelesen.»
(Gerwig Epkes, SWR2, Literatur über Patrick Tschans «Eine Reise später»)"

Christian Oelemann