Ein deutscher Sommer

Monatstipp August 2013

Henning, Peter: Ein deutscher Sommer

Verlag: Aufbau
rezensiert von Christian Oelemann

Peter Henning: Ein deutscher Sommer

Peter Henning galt bis zum Erscheinen seines neuen und an dieser Stelle zu lobenden Romans
„Ein deutscher Sommer“ eher als Geheimtipp in der Literaturszene, obwohl Buchkultur.de bereits seine beiden vorzüglichen Romane „Leichtes Beben“ und „Die Ängstlichen“, ebenfalls im Aufbau-Verlag erschienen, zum Monatstipp erklärten.
Jetzt also der ganz große Wurf, der flächendeckend von Presse, Funk und Fernsehen gelobt wird, und das völlig zu Recht! Dass es „Ein deutscher Sommer“ geschafft hat, den Durchbruch zu erzielen, liegt sicherlich an seinem Thema, an den im Roman erzählten Ereignissen, die nun ziemlich genau 25 Jahre zurückliegen und in den persönlichen Erinnerungen vieler noch präsent sind:
Im August 1988 überfielen Dieter Degowski und Hans-Jürgen Rösner eine Filiale der Deutschen Bank in Gladbeck, nahmen dabei Geiseln und reisten im Gefolge sensationslüsterner Journalisten (der Fernsehsender RTL war damals noch ganz jung) mit einem gekaperten Bus quer durch die damals noch etwas kleinere Republik und die benachbarten Niederlande.
54 Stunden hielten sie das Volk vor laufenden TV-Kameras und im Blitzlichtgewitter der Fotoapparate in Atem.
Bekanntlich endete das live mitgeschnittene Geiseldrama bitter, denn dabei starben drei Menschen – zwei Geiseln und ein Polizist.
Ordnungshüter und Journalisten gerieten gleichermaßen ins Kreuzfeuer der Kritik; Erstere, weil sie sich bei der Verfolgung und letztendlichen Überwältigung der Verbrecher hanebüchene Fehler leisteten, Letztere, weil sie ihre eigentliche Aufgabe, zu berichten und zu dokumentieren klar überschritten.
Peter Henning gehörte zu den Millionen, die das allzu öffentliche Spektakel live vor dem Bildschirm verfolgten. Er selbst war damals Journalist und arbeitete für Funk und Fernsehen.
Dass er mehr als 20 Jahre später einen hervorragenden Roman über die schlimmen Ereignisse schreiben würde, konnte er damals sicher noch nicht wissen.
Glänzend, wie es ihm gelungen ist, die im Grunde bekannte Handlung anhand von DPA-Meldungen, Interviewbröckchen und Zeitungsartikeln zu einem fesselnden Buch zu verdichten, in dem auch erfundene Figuren agieren, beispielsweise die Trivialschriftstellerin Brigitte Fischer, die durch die Gladbecker Ereignisse eine neue Bewertung ihres verstorbenen Mannes vornehmen muss, der ihr als Zeitungsreporter in Krisengebieten stets vorgeworfen hatte, sie sei zu desinteressiert und passiv. Auch erfunden ist der junge RTL-Journalist Thomas Bertram, der über die Geiselnahme berichten soll, die entscheidenden Momente jedoch verpasst, weil er sich um seinen zu früh geborenen Sohn kümmern muss. Weiterhin ist da ein AP-Reporter, der in seinem Jagdfieber die Geiseln im Bus fotografiert und nach der Ermordung eines 14jährigen Italieners seine Kameraausrüstung liegen lässt. Ebenfalls eindrucksvoll erfunden: der 20jährige Marc Steiner, der die grausamen Fernsehbilder verfolgt, derweil er seinen dementen Großvater pflegt.

Ein deutscher Sommer ist wie ein Film komponiert, und so erlebt man die Handlung, in die man nach 25 Jahren hineingezogen wird und den Blick nicht abwenden kann. Ein großer Roman!

"Bestsellerlisten interessieren uns an dieser Stelle nicht. Was Sie hier finden, sind Bücher, die wir lieben".

"Anne Tyler gehört zum Besten, was wir an Erzählern gegenwärtig haben." (Jonathan Franzen)

"Ich behaupte: Das ist das neue Meisterwerk einer der besten Schriftstellerinnen deutscher Sprache überhaupt!" (Christian Oelemann über Lena Gorelik)

"Einmal mehr beweist der britische Schriftsteller, dass er zu den ganz Großen seiner Zunft gehört – zu den wirklich Souveränen." (Christian Oelemann über Ian McEwan's KINDESWOHL)
"Wolf Schneider war und ist nie mittelmäßig sondern stets erstklassig. Genau wie sein Buch!" (Christian Oelemann zu HOTTENTOTTENSTOTTERTROTTEL)
"Nicht nur die Architektur dieses Romans ist perfekt; Anne von Canals Sprache ist es auch: punktgenau und unmissverständlich." (Christian Oelemann über Anne von Canals DER GRUND)

«Der Roman ist herrlich. Ein Roman über das Glück. So witzig und ehrlich. Ich habe ihn so gerne gelesen.»
(Gerwig Epkes, SWR2, Literatur über Patrick Tschans «Eine Reise später»)"

Christian Oelemann