Gretchen

Monatstipp Juni 2013

Einzlkind: Gretchen

Verlag: Edition Tiamat
rezensiert von Christian Oelemann

Beipackzettel


Gewarnt wird vor der "Gretchen"-Lektüre besonders bei Bauchweh-Anfälligkeit und chronischer Miesepetrigkeit. Am besten wirkt die Substanz dieses unverschämten Romans nach dem Aufwachen und vor dem Einschlafen!


Unter dem Pseudonym Einzlkind schriftstellert seit Geraumem ein fabuliermächtiger Intellektueller, nur weiß man nicht genau, um wen es sich handelt. Sub sigillo wurde bereits Hans Magnus Enzensberger ins Spiel gebracht; auch traten Vermutungen auf, es handele sich um die „Beppoppelki“- Erschafferin Sylvia Richard-Färber. Nichts davon ist wahr; meine eigene Vermutung rückt den Verlagsleiter und Herausgeber dieses hochkomischen Werkes, Klaus Bittermann, ins Licht. Dass er ebenso ein Meister der Groteske ist wie die beiden zuerst Genannten, stellt jedenfalls in Literaturkreisen schon lange kein Geheimnis mehr dar.

Worum es in Gretchen geht?
Tja, wenn das so einfach zu beantworten wäre! Aber ich möchte es versuchen.

Gretchen Morgenthau ist eine Theaterlegende, auf einer Stufe mit Gott stehend, wie sie selbst in aller Bescheidenheit zum Besten gibt.
Sie bringt Nachwuchsganoven erbarmungslose Härte bei und unterrichtet Debütanten in Weltrevolution. Dafür muss sie sich vor Gericht verantworten.
Es geschieht das für sie Undenkbare: sie wird verurteilt, 4 Wochen in einer diasporösen britischen Insel mit den kauzigen Einwohnern ein Theaterstück einzustudieren.
da sie erst 75 ist, das ganze leben also noch vor sich hat, akzeptiert sie den Spruch und begibt sich nach Gwynfaer.

Zunächst erwägt sie die Einstudierung von Ibsens Peer Gynt, überlasst dann aber die Probenarbeiten ihrem Regieassistenten, der kurzerhand das Theaterstück eines anderen norwegischen Dramatikers, eines Beckett-Epigonen, einstudiert. Gretchen ist einerseits zutiefst empört, kann die Geschehnisse jedoch andererseits nicht mehr abwenden, weil sie spürt, dass es ihr Leben ist, das auf die Bühne gebracht wird und dem sie sich naturgemäß nicht entziehen kann.

„Nein, Gretchen Morgenthau trachtete es nie nach postmortaler Ehre; im Diesseits wollte sie unsterblich sein, das Jenseits war ihr schnuppe.“

Ein Meisterwerk der Groteske ist dieses Roman! Aber, wie gesagt, Vorsicht! Meine Lachsalven brachten mich bei der Erstlektüre verdächtig nah ans Ersticken.

Edition Tiamat – ISBN 9783893201761

"Bestsellerlisten interessieren uns an dieser Stelle nicht. Was Sie hier finden, sind Bücher, die wir lieben".

"Anne Tyler gehört zum Besten, was wir an Erzählern gegenwärtig haben." (Jonathan Franzen)

"Ich behaupte: Das ist das neue Meisterwerk einer der besten Schriftstellerinnen deutscher Sprache überhaupt!" (Christian Oelemann über Lena Gorelik)

"Einmal mehr beweist der britische Schriftsteller, dass er zu den ganz Großen seiner Zunft gehört – zu den wirklich Souveränen." (Christian Oelemann über Ian McEwan's KINDESWOHL)
"Wolf Schneider war und ist nie mittelmäßig sondern stets erstklassig. Genau wie sein Buch!" (Christian Oelemann zu HOTTENTOTTENSTOTTERTROTTEL)
"Nicht nur die Architektur dieses Romans ist perfekt; Anne von Canals Sprache ist es auch: punktgenau und unmissverständlich." (Christian Oelemann über Anne von Canals DER GRUND)

«Der Roman ist herrlich. Ein Roman über das Glück. So witzig und ehrlich. Ich habe ihn so gerne gelesen.»
(Gerwig Epkes, SWR2, Literatur über Patrick Tschans «Eine Reise später»)"

Christian Oelemann