Rocking horse road

Monatstipp Februar 2013

Dixon, Carl: Rocking horse road

Verlag: Weidle
rezensiert von Christian Oelemann

Die letzte Frankfurter Buchmesse machte uns auf die zeitgenössische Literatur ihres Gastlandes Neuseeland aufmerksam, und in diesem Rahmen kamen eine Reihe neuseeländischer Schriftsteller nach Deutschland, um ihre Bücher persönlich hier vorzustellen. Ich hatte das Glück, den ungemein sympathischen und intelligenten Autor Carl Dixon in Wuppertal zu erleben und zehre noch heute davon. Dixon warb für seinen just erschienenen Roman „Rocking Horse Road“, ein spannendes, dabei jedoch anspruchsvolles Buch, das sein Verleger Stefan Weidle persönlich ins Deutsche übersetzt hat – übrigens vortrefflich.

Die Geschichte beginnt im Winter des Jahres 1980. Die Leiche einer jungen Frau, Lucy Asher, wird frühmorgens am Strand von The Spit aufgefunden. In der Mitte dieser schmalen Landzunge vor Christchurch verläuft die Rocking Horse Road. Lucys Eltern führen dort ein Milchgeschäft, und die 17jährige Lucy half oft dort aus; für die Jungen in dieser Gegend stellt sie den Inbegriff heimlichen Begehrens dar; fast jeder träumt davon, mit ihr einmal etwas gehabt zu haben. Einer von ihnen ist es auch, der die Lucys Leiche findet; die anderen sind bald ebenfalls zur Stelle.
Schnell steht fest: Lucy wurde erwürgt. Für die Jungen kommt damit ihre Kindheit zu einem traumatischen Ende. Die Suche nach dem Mörder schweißt sie zusammen, und noch 25 Jahre später (so viel sei verraten) sind sie ihm auf der Spur.

Im Jahr nach diesem Verbrechen, 1981 also, geschieht im Staat Neuseeland das Ungeheuerliche: Die Springboks, das südafrikanische Rugby-Team, touren durch die Lande. Heftiger Protest gegen das Apartheidsregime erhebt sich. Es kommt, zum ersten Mal überhaupt in der Geschichte Neuseelands, zu gewalttätigen Zusammenstößen zwischen Demonstranten und der Polizei.
Die nach Lucys Mörder suchenden Jungen sind allesamt Rugby-Fans und erleben das Geschehen auf den Straßen hautnah mit: "Wir hatten das Gefühl, dass da vor unseren Augen etwas sehr Wichtiges zerbrach. Wir konnten es nicht benennen, es war etwas, das uns zuvor selbstverständlich gewesen war und das, wie wir instinktiv wussten, niemals würde repariert werden können."
Doch kaum sind die inkriminierten Spiele gespielt, legt sich die Aufregung gegen das südafrikanische Regime wieder und Alltag kehrt zurück, ein Alltag, der fünf junge Männer zu einer Clique zusammenschweißt, die ihre ganze Daseinsberechtigung darin sieht, Lucy Asher gekannt und geliebt zu haben. Die Geschichte dieser lebenslangen Freundschaft erzählt Carl Dixon, der zur Zeit der Romanhandlung ebenfalls Teenager war, dermaßen warmherzig und packend, dass der Verdacht naheliegt, er sei einer dieser Jungen gewesen.

Ein wunderbares Buch, das ich auch Lesern empfehlen möchte, die sonst überwiegend Krimis lesen. So fesselnd wie ein Krimi ist „Rocking horse road“ allemal; darüber hinaus aber ist es ein Buch, an das man sich lange erinnern wird.

Großartig!

"Bestsellerlisten interessieren uns an dieser Stelle nicht. Was Sie hier finden, sind Bücher, die wir lieben".

"Anne Tyler gehört zum Besten, was wir an Erzählern gegenwärtig haben." (Jonathan Franzen)

"Ich behaupte: Das ist das neue Meisterwerk einer der besten Schriftstellerinnen deutscher Sprache überhaupt!" (Christian Oelemann über Lena Gorelik)

"Einmal mehr beweist der britische Schriftsteller, dass er zu den ganz Großen seiner Zunft gehört – zu den wirklich Souveränen." (Christian Oelemann über Ian McEwan's KINDESWOHL)
"Wolf Schneider war und ist nie mittelmäßig sondern stets erstklassig. Genau wie sein Buch!" (Christian Oelemann zu HOTTENTOTTENSTOTTERTROTTEL)
"Nicht nur die Architektur dieses Romans ist perfekt; Anne von Canals Sprache ist es auch: punktgenau und unmissverständlich." (Christian Oelemann über Anne von Canals DER GRUND)

«Der Roman ist herrlich. Ein Roman über das Glück. So witzig und ehrlich. Ich habe ihn so gerne gelesen.»
(Gerwig Epkes, SWR2, Literatur über Patrick Tschans «Eine Reise später»)"

Christian Oelemann