Polarrot

Monatstipp Januar 2013

Tschan, Patrick: Polarrot

Verlag: Braumüller
rezensiert von Christian Oelemann

Eines der größten Überraschungserfolge unserer „Tipps des Monats“ war der Erstling eines damals noch unbekannten Schweizer Schriftstellers namens Patrick Tschan, „Keller fehlt ein Wort“ nämlich. Soeben ist Tschans neuer Roman „Polarrot“ erschienen, und ich kann nur sagen: Hut ab! Der Mann kann schreiben, dass es eine helle Freude ist! Sprachlich und konzeptionell völlig anders als sein Vorgänger erlebt man „Polarrot“ nachgerade als Film auf der inneren Leinwand, und nicht zu unrecht lobt Tschans Kollege Alex Capus auf dem Schutzumschlag: „Tschan macht großes Kino.“
Es handelt sich um die Geschichte des Toggenburgers Jack (Jaques) Breiter, zu Beginn der Geschichte ein kleiner Angestellter im Hotel Palace zu St. Moritz. Breiters Lebensziel ist es, nach ganz oben zu gelangen, auf der gesellschaftlichen Erfolgsleiter Sprosse um Sprosse zu erklimmen. Sofort werden Erinnerungen an Felix Krull geweckt, doch als Fuhrknecht ist Breiter noch weit entfernt von jener Vornehmheit, die ihm seiner eigenen Überzeugung nach eigentlich angemessen ist. Um bei einer reichen Dame der besseren Gesellschaft zu reüssieren, legt er sich eine gefälschte Identität zu, wird aber erwischt und prompt fristlos entlassen. Doch schnell fasst Breiter wieder Fuss und findet in Basel einen neuen Job; er freundet sich mit einem Chauffeur an, der ihm heimlich das Autofahren beibringt. So wird Breiter in seiner neuen Firma rasch derjenige, der die Neuerfindung Senf in der Tube an halb Deutschland liefert. Bei seinen Kunden ist er gern gesehen; rasch hat er das Glück, von der Firma Gugy abgeworben zu werden, die seinen gesellschaftlichen Aufstieg in ganz anderem Masse vorantreiben kann. Bei Gugy verdient Jack wesentlich mehr, vor allem, als es ihm gelingt, ein Geschäft an Land zu ziehen, das einem Sechser im Lotto gleich kommt: das Reichsbeflaggungsgesetz ist eben erlassen worden und beschert der Firma Gugy Rekordverkäufe der Farbe Polarrot, die zur Herstellung der deutschen Hakenkreuzfahnen benötigt wird. Im Grunde ist damit genug erzählt. Ein kleiner Wink vielleicht noch:
Nicht immer ist die Liebe beim Ersteigen der Erfolgsleiter hilfreich. Das muss Breiter nach einem rauschenden Fest erkennen, welches Gugy anlässlich seiner Absatzerfolge gibt; dort lernt Breiter die Frau seines Chefs kennen und er verliebt sich in sie unsterblich. Charlotte scheint die Liebe zu erwidern, sie vertraut ihm an, dass sie Halbjüdin ist und befürchtet, dass ihr Mann sie für die deutsche Kundschaft opfern wird. Breiters Pläne vom sorgenfreien Luxusleben kollidieren mit der Liebe zu Charlotte und er erkennt sukzessive, dass ihm dieser Hitler unheimlich ist, auch wenn man an ihm gut verdienen kann ….

Und jetzt ein Knallbonbon: Patrick Tschan wird sein wunderbares Buch am Samstag, dem 2.März 2013 in unserer Bücherstube vorstellen! Na, was sagen Sie jetzt?

"Bestsellerlisten interessieren uns an dieser Stelle nicht. Was Sie hier finden, sind Bücher, die wir lieben".

"Anne Tyler gehört zum Besten, was wir an Erzählern gegenwärtig haben." (Jonathan Franzen)

"Ich behaupte: Das ist das neue Meisterwerk einer der besten Schriftstellerinnen deutscher Sprache überhaupt!" (Christian Oelemann über Lena Gorelik)

"Einmal mehr beweist der britische Schriftsteller, dass er zu den ganz Großen seiner Zunft gehört – zu den wirklich Souveränen." (Christian Oelemann über Ian McEwan's KINDESWOHL)
"Wolf Schneider war und ist nie mittelmäßig sondern stets erstklassig. Genau wie sein Buch!" (Christian Oelemann zu HOTTENTOTTENSTOTTERTROTTEL)
"Nicht nur die Architektur dieses Romans ist perfekt; Anne von Canals Sprache ist es auch: punktgenau und unmissverständlich." (Christian Oelemann über Anne von Canals DER GRUND)

«Der Roman ist herrlich. Ein Roman über das Glück. So witzig und ehrlich. Ich habe ihn so gerne gelesen.»
(Gerwig Epkes, SWR2, Literatur über Patrick Tschans «Eine Reise später»)"

Christian Oelemann