Der König von Berlin

Monatstipp November 2012

Evers, Horst: Der König von Berlin

Verlag: Rowohlt
rezensiert von Christian Oelemann

Die Leiche lag mitten im Sandkasten.“ Direkter kann ein Kriminalroman, und als solchen bezeichnet der wunderbare Humorist Horst Evers sein neues Buch, kaum zur Sache kommen.
Wer Evers schon einmal auf der Bühne erlebt hat, der erkennt seinen schnoddrigen Ton auch im Geschriebenen. Man hört sie förmlich, diese verrückte, aber durch und durch intelligente Geschichte um einen Abgrund, der sich nicht nur für Berliner auftut sondern für alle politisch Interessierten in diesem unseren Lande!
3,5 Millionen Menschen leben in Berlin – und etwa zehn Millionen Ratten, wenn wir Horst Evers glauben möchten. Er fragt sich, und wir fragen uns das dank seiner nun auch: Was geschähe, wenn ein Einzelner diese Horde kontrollierte, sozusagen in der Hand hätte? Und was geschähe, wenn dieser Einzelne sich vornähme, die Rattenpopulation innerhalb kürzester Zeit ausufern zu lassen? Wäre so jemand nicht der absoluter Herrscher der Stadt, sozusagen der „König von Berlin?“. Ein Albtraum, bei dem aber dank Evers kein Auge trocken bleibt.. Aber Humor hin, Humor her, es liest sich schon sehr spannend, wie Evers die haute volée vorführt und peu a peu um die Ecke bringt (viele Promis werden namentlich genannt oder sind durch ihre Sprache unverkennbar). Vier Tage lang, bis zum angekündigten Staatsbesuch des lupenreinen Demokraten Vladimir Putin, erhöht der König von Berlin sukzessive den Druck auf die Bevölkerung und somit auch auf die politischen Entscheidungsträger: Immer mehr Ratten, mehr Tote, tiefere politische Verwicklungen, bis sich am vierten Tag der ganze Druck in einem krachenden Finale entlädt. Zwei nicht eben durch ihre Souveränität auftrumpfende Helden gibt es natürlich auch: Hauptkommissar Carsten Lanner und dessen Lieblingsfeind aus der Schulzeit, Georg Wolters, nach geschmissenem Studium mittlerweile Kammerjäger. Beide stammen aus Cloppenburg in Niedersachsen und tun sich mit dem Weltstadtambiente Berlins, vor allem jedoch mit einander, reichlich schwer. Der etwas übergewichtige „Dorfsheriff“, der seine große Portion Pommes hastig um kurz vor sechs verschlingt, weil er aus Angst vor dem nächsten Gürtelloch nach 18 Uhr keine Kohlehydrate mehr zu sich nimmt, besticht vor allem ob seines phänomenalen Orientierungssinns. Er findet sogar kleinste Nester in Brandenburg; selbst dann, wenn Witzbolde die Wegweiserschilder auf der Landstraße verdreht haben.
DER KÖNIG VON BERLIN ist ein utopisches Feuerwerk an satirischer Kriminalistik.
Aber eines ist sicher: derlei kann man nur einmal bringen! Fortsetzung unmöglich!

"Bestsellerlisten interessieren uns an dieser Stelle nicht. Was Sie hier finden, sind Bücher, die wir lieben".

"Anne Tyler gehört zum Besten, was wir an Erzählern gegenwärtig haben." (Jonathan Franzen)

"Ich behaupte: Das ist das neue Meisterwerk einer der besten Schriftstellerinnen deutscher Sprache überhaupt!" (Christian Oelemann über Lena Gorelik)

"Einmal mehr beweist der britische Schriftsteller, dass er zu den ganz Großen seiner Zunft gehört – zu den wirklich Souveränen." (Christian Oelemann über Ian McEwan's KINDESWOHL)
"Wolf Schneider war und ist nie mittelmäßig sondern stets erstklassig. Genau wie sein Buch!" (Christian Oelemann zu HOTTENTOTTENSTOTTERTROTTEL)
"Nicht nur die Architektur dieses Romans ist perfekt; Anne von Canals Sprache ist es auch: punktgenau und unmissverständlich." (Christian Oelemann über Anne von Canals DER GRUND)

«Der Roman ist herrlich. Ein Roman über das Glück. So witzig und ehrlich. Ich habe ihn so gerne gelesen.»
(Gerwig Epkes, SWR2, Literatur über Patrick Tschans «Eine Reise später»)"

Christian Oelemann