Der Glücksmacher

Monatstipp Oktober 2012

Sautner, Thomas: Der Glücksmacher

Verlag: Aufbau
rezensiert von Christian Oelemann

Sebastian Dimsch heißt der Held im soeben bei Aufbau erschienenen Roman vom österreichischen Schriftsteller Thomas Sautner, der an dieser Stelle schon mehrfach unser Tipp des Monats gewesen ist.
Sebastian Dimsch ist Sachbearbeiter in einem großen Versicherungsunternehmen. Seinen Job erledigt er unmotiviert, ja geradezu lustlos. Sebastian Dimsch ist nicht glücklich, und weil er objektiv keinen Grund für seinen Mangel an Glück erkennen kann, deckt er sich in einer Buchhandlung mit einem Berg an Glück verheischender Literatur ein. Alles, was in der boomenden Esoterikbranche Rang und Namen hat, darüber hinaus auch Philosophen, die sich mit dem Thema Glück auseinandergesetzt haben, beschäftigen ihn hinfort, und zwar während seiner Arbeitszeit; sein Glück ist, dass er in einem abseits gelegenen Büroraum untergebracht ist und über Tag von Kollegen bzw. Vorgesetzten kaum bis gar nicht behelligt, ja sagen wir ruhig, gestört wird. Wochenlang arbeitet er sich durch die Glücksliteratur und registriert deren erleuchtende Wirkung qua Selbstversuch. Exzerpte seiner neuen Erkenntnisse verschickt er per Email an Kollegen im Haus. Es dauert nicht lange, bis man sich hinter vorgehaltener Hand an Sebastian Dimsch wendet, wenn ein berufliches oder auch privates Problem auftaucht.
Seinen Vorgesetzen ist Dimsch, den sie für unproduktiv halten, ein Dorn im Auge,; zu gern würde man sich Dimsch entledigen, doch ausgerechnet er wird in der jährlich hausintern durchgeführten Erhebung zum beliebtesten Mitarbeiter gewählt. Dimschs Entlassung würde sich verheerend auf das Betriebsklima auswirken.
Da verfällt man auf die Idee, Dimsch mit seinen eigenen Waffen zu schlagen. Er bekommt offiziell den Auftrag, ein Versicherungsmodul zu kreieren, dass dem Kunden Glück verkauft.
Zunächst wird Dimsch geradezu euphorisch, doch je länger er sich konkret mit seinem Projekt beschäftigt, desto weniger gelingt es ihm, Glück überhaupt definieren zu können; je mehr er darüber gelesen hat, desto weniger weiß er im Grunde, wie er „unglücklich“ zugeben muss.

Eine köstliche Satire hat uns Thomas Sautner geschenkt! Lauthals lachend habe ich das Buch in einem Stück genossen, nicht nur des humorvollen Inhalts wegen, sondern auch wegen so mancher messerscharfer Formulierung, die ihm so schnell keiner nachmacht in der deutschen Gegenwartsliteratur.
Ein köstliches Geschenk für alle Lesefreunde, die die Sache mit dem Glück nicht gar so verbissen sehen …

"Bestsellerlisten interessieren uns an dieser Stelle nicht. Was Sie hier finden, sind Bücher, die wir lieben".

"Anne Tyler gehört zum Besten, was wir an Erzählern gegenwärtig haben." (Jonathan Franzen)

"Ich behaupte: Das ist das neue Meisterwerk einer der besten Schriftstellerinnen deutscher Sprache überhaupt!" (Christian Oelemann über Lena Gorelik)

"Einmal mehr beweist der britische Schriftsteller, dass er zu den ganz Großen seiner Zunft gehört – zu den wirklich Souveränen." (Christian Oelemann über Ian McEwan's KINDESWOHL)
"Wolf Schneider war und ist nie mittelmäßig sondern stets erstklassig. Genau wie sein Buch!" (Christian Oelemann zu HOTTENTOTTENSTOTTERTROTTEL)
"Nicht nur die Architektur dieses Romans ist perfekt; Anne von Canals Sprache ist es auch: punktgenau und unmissverständlich." (Christian Oelemann über Anne von Canals DER GRUND)

«Der Roman ist herrlich. Ein Roman über das Glück. So witzig und ehrlich. Ich habe ihn so gerne gelesen.»
(Gerwig Epkes, SWR2, Literatur über Patrick Tschans «Eine Reise später»)"

Christian Oelemann