Der Aufbruch des Erik Jansen

Monatstipp September 2012

Sylvie Schenk: Der Aufbruch des Erik Jansen

Verlag: Picus
rezensiert von Christian Oelemann

Schon in ihrem vorzüglichen Roman „Die Tochter des Buchhändlers“ begeisterte mich die in Deutschland lebende Französin Sylvie Schenk mit ihrem Sprachwitz und ihrer analytischen Beobachtungsgabe. Mit dem just bei Picus erschienenen Titel „Der Aufbruch des Erik Jansen“ hat sie sich meines Erachtens sogar selbst übertroffen, weil es ihr hervorragend gelingt, ein größeres Zielpublikum anzusprechen. Was für ein großartiges und intelligentes Buch!

Erik Jansen ist Anfang fünfzig; Deutschlehrer ist für ihn nicht nur Beruf sondern Berufung. Dennoch muss er seine Stelle im katholischen Gymnasium zu Sankt ¬Theresa vor der Zeit aufgeben. Aber nicht nur seinen sicheren Arbeitsplatz verliert er, sondern auch seine Ehefrau, die am selben Gymnasium unterrichtet, und zwar ausgerechnet an einen Lehrerkollegen. Während einer Gruppenreise nach Jordanien versucht er, zu verstehen und zu verarbeiten, wie er in seine Situation hineingerutscht ist. Allerdings haftet sich bald schon eine gewisse Monique an ihn, die sich von ihm fasziniert gibt und an seinen Lippen klebt.

Jansen übernimmt wieder die Lehrerrolle - sosehr er auch versucht, gerade dies nicht zu tun. Die Reise soll für ihn gleichsam Aufbruch und Befreiungsschlag sein - nicht nur aus der riskanten Liebe zu einer Schülerin, sondern aus einem unerfüllten Leben. Angefangen hatte Alles mit einer zufällig im Internet gefundenen, eher unbekannten Kafka-Erzählung, die Jansen seinen Schülern zur Aufgabe stellte.

Sylvie Schenks Umarbeitung dieses Kafka-Textes ist nicht nur die ergreifende Geschichte eines Mannes in seinen besten Jahren, sie ist obendrein ein Spiel mit Literatur, mit Interpretation und Deutung. Ein spannender, mitunter sehr komischer Roman, der für mich zurzeit zum Besten gehört, was die deutsche Literaturszene zu bieten hat.

Übrigens dürfen Sie sich bereits jetzt auf Sylvie Schenk freuen: Im Januar 2013 wird sie Gast der Ronsdorfer Bücherstube sein und uns aus ihrem vorzüglichen Roman vorlesen!

"Bestsellerlisten interessieren uns an dieser Stelle nicht. Was Sie hier finden, sind Bücher, die wir lieben".

"Anne Tyler gehört zum Besten, was wir an Erzählern gegenwärtig haben." (Jonathan Franzen)

"Ich behaupte: Das ist das neue Meisterwerk einer der besten Schriftstellerinnen deutscher Sprache überhaupt!" (Christian Oelemann über Lena Gorelik)

"Einmal mehr beweist der britische Schriftsteller, dass er zu den ganz Großen seiner Zunft gehört – zu den wirklich Souveränen." (Christian Oelemann über Ian McEwan's KINDESWOHL)
"Wolf Schneider war und ist nie mittelmäßig sondern stets erstklassig. Genau wie sein Buch!" (Christian Oelemann zu HOTTENTOTTENSTOTTERTROTTEL)
"Nicht nur die Architektur dieses Romans ist perfekt; Anne von Canals Sprache ist es auch: punktgenau und unmissverständlich." (Christian Oelemann über Anne von Canals DER GRUND)

«Der Roman ist herrlich. Ein Roman über das Glück. So witzig und ehrlich. Ich habe ihn so gerne gelesen.»
(Gerwig Epkes, SWR2, Literatur über Patrick Tschans «Eine Reise später»)"

Christian Oelemann