Wenn das Schlachten vorbei ist

Monatstipp Mai 2012

T.C. Boyle: Wenn das Schlachten vorbei ist

Verlag: Hanser Verlag
rezensiert von Christian Oelemann


Haben Sie es schon mal erlebt, dass ein Buch großartig beginnt, Sie vom ersten Wort an packt und dann mit jedem weiteren Satz immer faszinierender wird? Mir ging es bislang mit den Romanen John Irvings so, und jetzt mit dem neuen Roman von T.C. Boyle, der, wenn auch längst schon ein Star der amerikanischen Literaturszene, einst bei John Irving studierte.
„Wenn das Schlachten vorbei ist“, heißt das soeben bei Hanser erschienene Werk, und ich verspreche Ihnen genussvolle Stunden, die Sie mit ihm verbringen werden! Sein Thema ist vielleicht wichtiger denn je: der Schutz unserer Umwelt. Naturschützer und Tierschützer setzen sich normalerweise für ein und dasselbe Ziel ein, könnte man meinen. T.C. Boyle erzählt, dass das nicht unbedingt so sein muss, indem er zwei Romanfiguren entwickelt, die konträrer gar nicht sein könnten.
Da ist zum einen Dave La Joy, der radikale Tierschützer, und zum anderen Alma Boyd, die Wissenschaftlerin vom Nationalpark. Die beiden stehen in der Geschichte so dermaßen miteinander auf Kriegsfuß, dass ich zwischendurch Angst bekam, sie könnten sich gegenseitig was antun – denn ich mag sie beide. Dave, ein cholerischer Unternehmer mit Rastazöpfen, der irgendwann durch Zufall auf einen Tierschutzverein aufmerksam geworden ist und dann beschlossen hat, eine radikale Variante dieses Interessenverbunds zu gründen. Er legt sich mit einer Naturschützerin an und bekämpft sie mit blinder Wut, die einen doppelten Boden hat. Alma Boyds Spezialgebiet sind Ökosysteme, die aus dem Gleichgewicht geraten sind, weil der Mensch dort Tiere eingeschleppt hat, die ursprünglich nicht dort hingehören. Beispiel: Inseln vor der Küste Kaliforniens: Auf der einen haben sich Ratten breit gemacht, so dass einige seltene Vogelarten auszusterben drohen. Auf einer anderen Insel sind es Schweine, die die Natur aus dem Gleichgewicht gebracht haben. Alma will die Ratten und die Schweine ausrotten, um die anderen Arten auf den Inseln zu retten. Im Klartext: die einen töten, um die anderen am Leben zu lassen. Eine Rechnung, die Dave absolut nicht nachvollziehen kann. Wir erfahren, dass die beiden schon mal ein Date hatten, das Dave jedoch grandios gegen die Wand fuhr. Diese persönliche Niederlage nagt an ihm und lässt ihn verbissen gegen Alma kämpfen.
Großartig, wie es Boyle versteht, beide Hauptfiguren so überzeugend zu gestalten, dass es schier unmöglich ist, für die eine Partei zu ergreifen und für die andere nicht. Oft spitzt er so zu, dass einem die Luft wegzubleiben droht. Ich kann mich kaum erinnern, bei einer Romanlektüre so sehr mitgelitten zu haben wie in "Wenn das Schlachten vorbei ist".
Ein Öko-Thriller, eine hinreißende Liebesgeschichte, ein dank der grandiosen Seefahrt-Szenen durch und durch spannender Abenteuerroman, der zum Besten gehört, was die Gegenwartsliteratur zu bieten hat. Unbedingt sollten Sie dieses Werk lesen!
Oder aber hören, denn was Jan Josef Liefers aus diesem hinreißenden Stoff macht, verdient Respekt und Applaus!

"Bestsellerlisten interessieren uns an dieser Stelle nicht. Was Sie hier finden, sind Bücher, die wir lieben".

"Anne Tyler gehört zum Besten, was wir an Erzählern gegenwärtig haben." (Jonathan Franzen)

"Ich behaupte: Das ist das neue Meisterwerk einer der besten Schriftstellerinnen deutscher Sprache überhaupt!" (Christian Oelemann über Lena Gorelik)

"Einmal mehr beweist der britische Schriftsteller, dass er zu den ganz Großen seiner Zunft gehört – zu den wirklich Souveränen." (Christian Oelemann über Ian McEwan's KINDESWOHL)
"Wolf Schneider war und ist nie mittelmäßig sondern stets erstklassig. Genau wie sein Buch!" (Christian Oelemann zu HOTTENTOTTENSTOTTERTROTTEL)
"Nicht nur die Architektur dieses Romans ist perfekt; Anne von Canals Sprache ist es auch: punktgenau und unmissverständlich." (Christian Oelemann über Anne von Canals DER GRUND)

«Der Roman ist herrlich. Ein Roman über das Glück. So witzig und ehrlich. Ich habe ihn so gerne gelesen.»
(Gerwig Epkes, SWR2, Literatur über Patrick Tschans «Eine Reise später»)"

Christian Oelemann