Sire, ich eile!

Monatstipp Februar 2012

Schädlich, Hans-Joachim: Sire, ich eile!

Verlag: Rowohlt
rezensiert von Christian Oelemann

Hans Joachim Schädlich, sonst eher dafür bekannt, sich in seinen literarischen Werken einer redundanten Sprache zu bedienen, legt hier eine sehr schlanke Novelle vor, überaus knapp und dabei jedoch sehr präzise. Mit "Sire, ich eile" begibt sich er sich an den Hof Friedrich II. Pünktlich zum 300. Geburtstag des Monarchen wurde das Werk am 24. Januar 2012 veröffentlicht, gerade rechtzeitig für unseren Monatstipp. Schädlich beschreibt das Verhältnis zwischen Friedrich dem Großen und den von ihm bewunderten Philosophen Voltaire. Die Sympathie des Autors liegt dabei ganz eindeutig auf der Person Voltaires, der durch seinen scharfzüngigen Spott und seine universale Bildung eine Lichtgestalt der europäischen Aufklärung ist. Schädlich lehnt sich dabei stilistisch an die Spitzzüngigkeit Voltaires an, so dass dieses Buch das reinste Lesevergnügen ist.
Lange Zeit vor seiner Thronbesteigung verehrte Friedrich II. bereits den Franzosen Voltaire. Als der Monarch zehn Jahre auf dem Thron sitzt, gelingt es ihm, Voltaire für ein dreijähriges Intermezzo an seinen Hof zu bringen. Friedrich sieht in ihm einen intellektuellen Widerpart aber auch eine Person, die sein Ansehen als Philosoph steigern kann. Das Verhältnis des Monarchen zum Philosophen ist von Eitelkeiten geprägt - von beiden Seiten allerdings – das muss betont werden! Dies führt auch zu durchaus komischen Situationen, sodass ich „Sire, ich eile“ zu einem vergnügten Dauerschmunzeln las. Schädlichs Novelle ist vielleicht nicht für Historiker geeignet, die nach Authentizität suchen. Es ist ein amüsanter und erhellender Lesegenuss über das Verhältnis zweier eindrucksvoller Geister und die Verstrickungen von Macht, Politik, Kunst, Selbstdarstellung und Philosophie, aber eine Kopfgeburt allemal!
Glückwunsch an einen der großen deutschen Literaten zum Gelingen eines kleinen Geniestreichs! Chapeau!

"Bestsellerlisten interessieren uns an dieser Stelle nicht. Was Sie hier finden, sind Bücher, die wir lieben".

"Anne Tyler gehört zum Besten, was wir an Erzählern gegenwärtig haben." (Jonathan Franzen)

"Ich behaupte: Das ist das neue Meisterwerk einer der besten Schriftstellerinnen deutscher Sprache überhaupt!" (Christian Oelemann über Lena Gorelik)

"Einmal mehr beweist der britische Schriftsteller, dass er zu den ganz Großen seiner Zunft gehört – zu den wirklich Souveränen." (Christian Oelemann über Ian McEwan's KINDESWOHL)
"Wolf Schneider war und ist nie mittelmäßig sondern stets erstklassig. Genau wie sein Buch!" (Christian Oelemann zu HOTTENTOTTENSTOTTERTROTTEL)
"Nicht nur die Architektur dieses Romans ist perfekt; Anne von Canals Sprache ist es auch: punktgenau und unmissverständlich." (Christian Oelemann über Anne von Canals DER GRUND)

«Der Roman ist herrlich. Ein Roman über das Glück. So witzig und ehrlich. Ich habe ihn so gerne gelesen.»
(Gerwig Epkes, SWR2, Literatur über Patrick Tschans «Eine Reise später»)"

Christian Oelemann