Der Sohn

Monatstipp März 2012

Jessica Durlacher: Der Sohn

Verlag: Diogenes
rezensiert von Christian Oelemann

Donnerwetter, was für ein Buch, das uns die niederländische Schriftstellerin Jessica Durlacher geschenkt hat! „Der Sohn“ heißt es und ist dank des Diogenes Verlags soeben auf dem deutschen Buchmarkt erschienen. Der harmlose Titel führt uns Leser zunächst auf eine falsche Fährte, denn Mitch, dessen Mutter Sara Silverstein die Familiengeschichte aus der Ich-Perspektive erzählt, hat sich ohne das Wissen seiner Eltern bei den Marines verpflichtet, kurz vor Ende seines ersten Semesters an der Berkley-Universität. Bei Sara löst er damit geradezu Panik aus; sie reist überstürzt aus Amsterdam in die USA, um Mitch umzustimmen, muss aber schnell einsehen, dass sie gegen die Entschlossenheit ihres Sohnes nichts ausrichten kann.
Er will sich partout zum Afghanistan-Kämpfer ausbilden lassen. Seine wahren Beweggründe erfährt Sara jedoch erst wesentlich später, nachdem einige Schicksalsschläge die Familie Silverstein heimgesucht haben, die allesamt kein Zufall sind und letzten Endes in die Zeit des Nationalsozialismus zurückreichen, in der ihr Vater Herman seine jüdischen Eltern in Konzentrationslagern verloren hatte.
Herman ist vor einigen Wochen an den Folgen eines Leitersturzes gestorben, und beim Sichten seiner nachgelassenen Dinge entdeckt Sara einen unter die Schreibtischplatte geklebten, geladenen Revolver.
Dass die mit dieser „Luger“ um ein Haar selbst schießen wird, um Rache zu nehmen für Grausamkeiten, die ihr sowie ihrem Mann Jacob und ihrer Tochter Tess angetan wurden, ahnt sie noch nicht.
Jessica Durlacher kann eine Geschichte ungeheuer spannend erzählen. Wie sie es schafft, dass nicht nur sie selbst sich mit ihrer Protagonistin Sara identifiziert sondern der Leser gleich mit, nötigt mir enormen Respekt ab. Vor allem jedoch begeistert mich, wie sie ihren Roman komponiert hat, wie sie mit kleinen Zeitsprüngen das Tempo ihrer Geschichte mal drosselt, mal erhöht und damit „Der Sohn“ zu einem faszinierenden Leseerlebnis macht.
Tatsächlich lüftet sie erst auf den allerletzten Seiten, im Epilog, das Familiengeheimnis der Silversteins, und das – ich verspreche – hat es in sich!

"Bestsellerlisten interessieren uns an dieser Stelle nicht. Was Sie hier finden, sind Bücher, die wir lieben".

"Anne Tyler gehört zum Besten, was wir an Erzählern gegenwärtig haben." (Jonathan Franzen)

"Ich behaupte: Das ist das neue Meisterwerk einer der besten Schriftstellerinnen deutscher Sprache überhaupt!" (Christian Oelemann über Lena Gorelik)

"Einmal mehr beweist der britische Schriftsteller, dass er zu den ganz Großen seiner Zunft gehört – zu den wirklich Souveränen." (Christian Oelemann über Ian McEwan's KINDESWOHL)
"Wolf Schneider war und ist nie mittelmäßig sondern stets erstklassig. Genau wie sein Buch!" (Christian Oelemann zu HOTTENTOTTENSTOTTERTROTTEL)
"Nicht nur die Architektur dieses Romans ist perfekt; Anne von Canals Sprache ist es auch: punktgenau und unmissverständlich." (Christian Oelemann über Anne von Canals DER GRUND)

«Der Roman ist herrlich. Ein Roman über das Glück. So witzig und ehrlich. Ich habe ihn so gerne gelesen.»
(Gerwig Epkes, SWR2, Literatur über Patrick Tschans «Eine Reise später»)"

Christian Oelemann